Beiträge von Silberruecken

    Camper Ich glaube, wir reden an einem Punkt aneinander vorbei.


    Dass Du die Tür bewusst manuell weiter öffnen möchtest, ist für Dich natürlich eindeutig. Für die Türsteuerung ist es das aber nicht zwingend.


    Die Steuerung sieht zunächst nur: erhöhte Last bzw. erhöhtes Gegenmoment bei gleichzeitig erkannter Hanglage. Sie muss in diesem Moment unterscheiden, ob

    • Du bewusst weiter öffnen möchtest,
    • die Tür durch die Schwerkraft belastet wird,
    • ein Hindernis vorhanden ist,
    • oder die Bewegung mechanisch nicht mehr sicher kontrolliert werden kann.

    Und genau hier wäre für mich die entscheidende Frage:


    Welche Sensorik soll denn Deine Hand bzw. Deine Absicht erkennen?


    Ein Kraft- oder Stromanstieg am Antrieb sagt der Elektronik nur, dass sich die Last verändert hat. Er sagt ihr aber nicht zuverlässig, warum.


    Die Tür weiss also nicht automatisch:

    „Jetzt zieht der Fahrer bewusst an mir, also darf ich meine Schutzlogik freigeben.“


    Genauso gut könnte der erhöhte Kraftbedarf durch Hanglage, ein Hindernis oder eine mechanische Blockade entstehen.


    Wenn die Software bei jedem zusätzlichen manuellen Kraftimpuls einfach sagen würde: „Der Benutzer will das schon so“ und die Schutzlogik aufhebt, hätte man im nächsten Fall möglicherweise genau das gegenteilige Problem: Die Tür läuft hangabwärts weiter und kollidiert mit einem Hindernis.


    Dass sie bei 10 %, 30 % oder 60 % Öffnung weiterhin gegenhält, ist deshalb nicht zwingend ein Zeichen schlecht abgestimmter Sensorik. Es kann genauso gut bedeuten, dass die Steuerung die erkannte Risikosituation während der gesamten Bewegung aufrechterhält.


    Ob Zeekr diese Abstimmung angenehmer lösen könnte, darüber kann man natürlich diskutieren.


    Aber „ich möchte manuell öffnen“ ist für die Elektronik eben keine so eindeutige Information, wie sie sich für uns Menschen anfühlt. 😉

    Und ganz kurz zusammengefasst:


    Die Tür kann Kraft messen. Deine Absicht kann sie nicht messen.


    Lieber Gruss Paolo

    Ich habe ja auch geschrieben, dass ich am Hang geparkt habe. Dass der Türantrieb jedoch aktiv gegen meinen Wunsch des manuellen Öffnens gegenarbeitet, hat mich doch etwas irritiert.

    Ja Camper, genau das dürfte der Punkt sein.

    Aufgrund der Meldung geht das System korrekterweise in eine Art Fail-Safe-Modus.


    Der Türantrieb kann in diesem Moment nicht sicher unterscheiden, ob das erhöhte Gegenmoment durch die Hanglage, ein Hindernis oder durch Deinen manuellen Öffnungsversuch entsteht. Entsprechend hält die Regelung dagegen bzw. begrenzt die Bewegung.


    Würde der Antrieb in dieser Situation einfach komplett freigeben, könnte die Tür hangabwärts unkontrolliert weiterlaufen und im dümmsten Fall mit einem Hindernis oder dem Nachbarfahrzeug kollidieren.

    Dass sich das beim manuellen Öffnen etwas „unnatürlich“ anfühlt, kann ich nachvollziehen. Aus Sicht der Schutzlogik ist das Verhalten aber durchaus plausibel.


    Und nur der Vollständigkeit halber: „leicht abfallend“ wie in deinem Post geschrieben und rund 13° Schrägstand sind zwei ziemlich unterschiedliche Wahrnehmungen.


    Genau das war ja der interessante Punkt am Foto – im Fahrzeug wirkt eine solche Lage deutlich harmloser, als sie mechanisch tatsächlich ist. 😉


    Lieber Gruss Paolo

    Ich habe heute meinen X7 beim Kunden, schräg am leicht abfallenden Hang geparkt und kam kaum aus meinem Wagen. Die Tür geht einen Spalt auf und der Motor hält ordentlich gegen meine Ambitionen die Tür weiter zu öffnen.


    Folgende Meldung ploppt auf:?thumbnail=1

    Camper

    Nachtrag ☺️

    Das Foto finde ich in diesem Zusammenhang ziemlich interessant, weil es schön zeigt, wie sehr uns die eigene Wahrnehmung täuschen kann.

    Wenn man nur im Fahrzeug sitzt, wirkt diese Parkposition tatsächlich fast eben. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns unbewusst an den geraden Linien im Innenraum orientieren – Displaykante, Armaturenbrett, Türverkleidung usw. Diese bilden für unser Auge plötzlich die vermeintliche Horizontale.


    Nimmt man im Foto aber das Bildrechteck als feste Referenz und vergleicht die Oberkante des Displays mit den Gebäudelinien im Hintergrund, ergibt sich zwischen den beiden sichtbaren Referenzen eine Winkeldifferenz von ungefähr 13°.

    Natürlich ist das keine geeichte Neigungsmessung und die Fotoperspektive spielt ebenfalls mit hinein. Aber es zeigt sehr schön: Was wir subjektiv als „kaum Hanglage“ wahrnehmen, kann mechanisch bereits eine ziemlich relevante Schrägstellung sein.

    Und bei einer schweren elektrisch betätigten Tür machen ein paar Grad erstaunlich viel aus.


    Nur als Grössenordnung:

    Nehmen wir beispielhaft eine Tür von etwa 35 kg. Bei 13° beträgt allein die zusätzliche hangabwärts wirkende Gewichtskomponente ungefähr

    77 Newton, also knapp 8 kg zusätzliche Kraft.

    Liegt der Schwerpunkt der Tür beispielsweise rund 45 cm von der Scharnierachse entfernt, entstehen daraus ungefähr 35 Nm zusätzliches Drehmoment.

    Da der eigentliche Türantrieb mit einem wesentlich kürzeren wirksamen Hebel arbeitet, können daraus am Antrieb schnell zusätzliche Kräfte in der Grössenordnung von 350–500 N entstehen – je nach tatsächlicher Konstruktion.


    Das sind selbstverständlich nur Beispielwerte und keine Zeekr-Konstruktionsdaten.


    Aber sie zeigen, warum eine vermeintlich "kleine Schräglage" für einen elektrischen Türantrieb plötzlich überhaupt nicht mehr klein ist.


    Der Elektromotor muss entsprechend mehr Drehmoment liefern, wodurch auch seine Stromaufnahme deutlich steigt. Die Steuerung überwacht diese Last und kann eine zu hohe Belastung als Blockade, Hindernis oder nicht mehr sicher kontrollierbare Bewegung interpretieren.


    Und noch ein Punkt ist dabei wichtig:


    z.B. bei Hangabwärts muss die Tür nicht nur bewegt, sondern vor einem Hindernis auch noch rechtzeitig und kontrolliert abgebremst werden können.

    Durch die zusätzliche Gewichtskraft und das höhere notwendige Antriebsmoment steigt die mechanische Energie im System. Je näher man an die konstruktiven Grenzwerte kommt, desto kleiner wird die Sicherheitsreserve, mit der die Tür vor einem erkannten Hindernis noch zuverlässig stoppen kann.


    Wenn die Steuerung also feststellt, dass diese Reserve nicht mehr ausreichend ist, ist es durchaus logisch, die automatische Bewegung gar nicht erst zuzulassen oder die Tür zu stoppen bzw. zu reversieren.


    Denn die Alternative wäre wenig attraktiv:


    Die Tür öffnet hangabwärts mit erhöhter Kraft, erkennt ein Hindernis – und schafft es aufgrund der zusätzlichen Last nicht mehr rechtzeitig anzuhalten.

    Spätestens wenn die Türe dann im Nachbarauto steckt, wäre vermutlich auch niemand begeistert. 😉

    Genau deshalb ist die Schutzabschaltung für mich eher ein Zeichen dafür, dass das System seine mechanischen Grenzen kennt, als ein Hinweis auf einen Fehler.

    Und die Meldung im Display passt dazu ziemlich genau:

    „Die elektrische Tür kann wegen Parken am Hang nicht geöffnet werden.“


    Das Fahrzeug selbst scheint die Hanglage also durchaus als relevant erkannt zu haben – auch wenn sie für uns Menschen im ersten Moment fast nicht danach aussieht.

    Optische Wahrnehmung und Mechanik sind manchmal eben zwei verschiedene Welten. 😉


    Lieber Gruss Paolo

    @all

    Zwei Punkte dazu:

    1. Alles, was oberhalb der Unterkante der Aussenspiegel liegt, wird von der Tür-Sensorik nicht als Hindernis erkannt.

    Das erklärt auch, warum sich zwei geöffnete Türen mit ihren Spiegeln theoretisch in die Quere kommen können, obwohl die Tür selbst das benachbarte Fahrzeug korrekt erkennt.

    1. Dass Automatiktüren bereits bei relativ geringer Schräglage anders reagieren, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.

    Was wir im Fahrzeug subjektiv noch als „praktisch flach“ empfinden, kann technisch bereits ein relevanter Winkel sein. Schon etwa 5–10° reichen je nach Fahrzeug aus, damit sich die Kräfte auf den Türantrieb deutlich verändern.


    Der Grund ist simpel:


    Durch die Einbauposition des Türantriebs arbeitet dieser nicht immer mit einem idealen Hebel. Steht das Fahrzeug schräg, muss der Antrieb je nach Öffnungsrichtung deutlich mehr Kraft aufbringen. Dadurch steigt die Stromaufnahme des Motors stark an. Die Steuerung überwacht genau diese Stromaufnahme.


    Wird ein definierter Grenzwert erreicht, interpretiert das System das als zu hohen Widerstand bzw. als mögliche Blockade und bricht die Bewegung ab oder reversiert die Türe.

    Das ist also nicht zwingend ein Fehler, sondern eher eine Schutzfunktion.


    Sie soll verhindern, dass die Tür bei ungünstiger Fahrzeuglage mit zu hoher Kraft weiterläuft und dadurch Personen, Gegenstände oder den eigenen Mechanismus belastet.

    Was dabei allerdings immer im Hinterkopf bleiben sollte:


    Die Sensorik erkennt nicht alles.


    Spiegel, sehr dünne Gegenstände, Grashalme, niedrige Hindernisse oder Objekte ausserhalb des eigentlichen Sensorfeldes können falsch oder gar nicht erkannt werden.

    Die Automatiktüren sind deshalb für mich eine sehr komfortable Unterstützung – aber kein Ersatz dafür, beim Öffnen trotzdem kurz hinzuschauen. 😉


    Lieber Gruss Paolo

    ToBeFrank
    Genau das hatte ich mit belastbaren Informationen gemeint.

    Im Streitfall ist ein Satz wie „Zeekr liefert wissentlich unsichere Fahrzeuge aus“ rechtlich zunächst eine Behauptung bzw. Unterstellung – und noch kein bewiesener Fakt.


    Wenn Dir telefonisch tatsächlich bestätigt wurde, dass der Fehler bereits vor der Auslieferung bekannt war, würde ich mir so etwas künftig möglichst schriftlich von einer zeichnungsberechtigten bzw. verantwortlichen Stelle bestätigen lassen.


    Denn was am Telefon gesagt wurde, lässt sich später oft nur schwer sauber belegen.


    @all

    Was mich bei der ganzen Airbag-Diskussion ehrlich gesagt fast noch mehr erstaunt:


    Es gibt sehr viele Überlegungen zu Haftung, Versicherung, TÜV und möglichen rechtlichen Konsequenzen.


    Aber kaum jemand stellt die für mich viel naheliegendere Frage:


    Was passiert eigentlich mit mir oder meinen Mitfahrern, wenn es genau in diesem Zustand zu einem schweren Unfall kommt?

    Denn am Ende ist das doch der eigentliche Punkt.


    Ob später jemand haftet, eine Versicherung bezahlt oder ein Hersteller Verantwortung übernehmen muss, ist wichtig – aber alles nachgelagert.


    Meine erste Priorität wäre schlicht, möglichst gar nicht erst herausfinden zu müssen, ob Airbags, Gurtstraffer und Rückhaltesysteme im entscheidenden Moment tatsächlich funktioniert hätten.


    Vielleicht ist mein Selbsterhaltungstrieb da einfach etwas altmodisch. 😉


    Lieber Gruss


    Paolo

    ToBeFrank :

    Ich kann Deinen Ärger über den Ablauf sehr gut nachvollziehen.

    Trotzdem finde ich, dass wir gerade in einem öffentlichen Forum sauber zwischen persönlicher Erfahrung, belegbaren Tatsachen und eigener Interpretation unterscheiden sollten.

    Zu schreiben:

    „Mein Fahrzeug hatte bei Übergabe eine Airbag-/SRS-Warnung, die Werkstatt konnte den Fehler nicht sauber diagnostizieren und ein Ersatzfahrzeug wurde zunächst verweigert“ ist eine konkrete Schilderung dessen, was man selbst erlebt hat.


    Anders sieht es bei Aussagen aus wie:

    „Zeekr liefert wissentlich unsichere Fahrzeuge aus“,

    „G.A.S. arbeitet gegen den Kunden“ oder

    „Zeekr Deutschland tut alles, damit die Marke scheitert.“


    Das sind keine reinen Erfahrungsberichte mehr, sondern Zuschreibungen von Wissen, Absicht oder Motivation.

    Und genau da sollte man meiner Meinung nach vorsichtig sein.


    Ein öffentliches Forum ist eben nicht das private Gespräch am Stammtisch. Beiträge sind dauerhaft auffindbar, werden zitiert, weitergeleitet und unter Umständen auch von Herstellern, Importeuren, Dienstleistern oder deren Rechtsabteilungen gelesen.


    Ärger, Kritik und auch deutliche Worte sind völlig legitim.

    Aber Kritik wird nicht stärker, wenn man sie mit Vermutungen oder Verunglimpfungen auflädt.


    Im Gegenteil:

    Man liefert der Gegenseite damit unter Umständen genau den Angriffspunkt, den sie sonst gar nicht hätte.


    Deshalb halte ich es für klüger, möglichst bei dem zu bleiben, was man belegen kann:

    Was ist passiert?

    Wer hat was gesagt?

    Wie lange hat es gedauert?

    Was konnte die Werkstatt diagnostizieren – und was nicht?

    Welche Reaktion kam von Zeekr oder G.A.S.?


    Das reicht in diesem Fall eigentlich schon völlig aus, um den Ablauf sehr kritisch zu beurteilen.

    Und ganz nebenbei schützt man damit auch sich selbst.


    Denn sich über einen schlechten Service zu ärgern ist das eine.


    Im öffentlichen Raum jemandem wissentliches Fehlverhalten, Schädigungsabsicht oder vergleichbare Dinge zu unterstellen, ist etwas anderes und kann im Zweifel auch rechtliche Folgen haben.


    Gerade deshalb finde ich: hart in der Sache, sauber bei den Fakten.

    Damit fährt man meistens besser als mit der grossen Keule. ☺️


    Lieber Gruss Paolo

    Ich möchte das Thema auch nicht grösser machen, als es ist. Ein technischer Fehler kann auftreten, gerade bei einem jungen Produkt und einer noch jungen Serviceorganisation.

    Was ich allerdings bemerkenswert finde, ist die Kombination aus:

    Airbagwarnung vorhanden, Diagnose offenbar nicht sauber möglich, Aussage „nur Anzeigebug“, Fahrzeug trotzdem bereits ausgeliefert.

    Das ist schon eine interessante Gemengelage. 😉


    Wenn die Werkstatt das Fahrzeug nach einem Software-Update nicht mehr korrekt ansprechen kann, ist das natürlich besonders elegant:

    Das Auto meldet einen sicherheitsrelevanten Fehler, aber das Diagnosewerkzeug sagt sinngemäss „kenn ich nicht“.

    Technisch gesehen fast schon konsequent. 😄


    Dass die Werkstatt sich dabei offenbar wirklich bemüht hat, würde ich ausdrücklich positiv hervorheben. Die Jungs vor Ort können letztlich auch nur mit den Werkzeugen arbeiten, die ihnen der Hersteller zur Verfügung stellt.


    Und immerhin gab es nach rund fünf Stunden ein Ersatzfahrzeug 😉

    Dass man dieses dann noch selbst am Flughafen abholen durfte, fällt vermutlich unter aktive Kundenintegration in den Mobilitätsprozess 😂


    Lieber Gruss Paolo