Komme ja vom Kia EV6 AWD (nicht GT) und kann "zuverlässig" nicht so stehen lassen. Solide, ja, kann man ggf. so ausdrücken, was auch immer damit gemeint ist. Die Konfigurierbarkeit, Abstimmung, Bedienung, Zuverlässigkeit der Assistenten, etc. ist bei Kia durchaus gut gelungen. Die Assistenten funktionieren gut, die Abstimmung und Bedienung hier und da wirklich gut durchdacht bzw. intensiv in der Praxis getestet (z.B. Autobahn-Assistent, Tempomat mit automatischem Losfahren auf der Autobahn wenn wieder frei, One Pedal/i-Pedal mit richtig guter Verzögerung, Konfigurierbarkeit der 360° Kamera und dem Ultraschallsensor - temporär wenn es mal nervt ausschaltbar ohne dass es dauerhaft aus ist).
Die ICCU-Thematik ist leider eine Katastrophe für Kia's Reputation. Dass die ersten Leidtragenden dieses Problems bis zu 1,5 Jahre auf Ersatzteile warten mussten, dazu am Anfang weiterhin nur die nicht überarbeiteten ICCU's eingebaut und teilweise ein 2. und 3. Mal kaputt gegangen sind, dazu Werkstätten/Händler kamen, die die Kunden ohne Ersatzwagen vom Hof geschickt haben, ein No Go. Wenn ich betroffen gewesen wäre, würden mich Kia/Hyundai nie wieder sehen. Ich hatte das Glück, dass meine ICCU erst nach knapp 80.000 km kaputt gegangen ist und Diagnose, Bestellung und Einbau bei einer richtig guten Werkstatt nur 2,5 Werktage benötigt haben. Dazu wurde meine in Mitleidenschaft gezogene 12-Batterie ebenfalls kostenlos ersetzt und ich hatte einen kostenlosen Ersatzwagen, es geht inzwischen also auch besser. Dazu kommt, dass die ICCU jetzt 15 Jahre Garantie hat, Kia hat also gelernt.
Eine Katastrophe ist allerdings die Hack-Anfälligkeit des Keyless-Entry. Wenn ich auf der Straße parke, muss ich _jedesmal_ Keyless-Entry temporär deaktivieren (dauert ein paar Sekunden) und darf es nicht vergessen. Kia hat es auch in jetzt gut drei Jahren nicht geschafft, über ein Firmwareupdate das Keyless-Entry per Boardmenü einfach auf Wunsch abschaltbar zu machen. Und die absolute Krönung: In England verkauft Hyundai (absolut baugleich zur Kia-Technik) ein Umrüstkit für 150 Pfund, um das Problem dauerhaft zu lösen. In Deutschland wird das nicht angeboten - obwohl eine Lösung im Mutterkonzern existiert, unfassbar!
In vier Jahren hatte ich neben der ICCU nur zwei weitere Probleme: Ein wackelndes Sitzgestell - wurde ersetzt, kein Thema. Waren auch viele betroffen, aber es gibt schlimmeres. Zusätzlich den Ausfall des zentralen Steuergerätes, was für den Tacho zuständig ist. Nach dem Tausch des Steuergerätes war der Tachostand wieder bei 0 und konnte nachträglich nicht mehr auf den alten gesetzt werden. Auch Kia Deutschland sagte mir, das sei nicht möglich. Eine andere Werkstatt hat dagegen steif und fest behauptet, dass man beim EV6 selbstverständlich beim Tausch des Steuergerätes den alten Tachostand eintragen kann. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nichts anderes vorstellen, scheint mir nur ein lokales versagen meiner Werkstatt zu sein und verschiedene Anfragen an Kia Deutschland wurden mit höchster Inkompetenz oft falsch oder gar nicht beantwortet.
Werni
Meine Erfahrungen sind also durchwachsen und solide sehe ich etwas anders. Wahrscheinlich würde ich eher zu Hyundai wechseln, weil dort einfach wesentlich mehr Stückzahlen vergleichbarer Modelle verkauft werden und die Kundenbasis somit hoffentlich größeres "Gewicht" hat.
Was mich beim EV6 GT mit dem 84 kWh-Akku nur massiv stört: Ja, er ist schneller als der normale EV6, aber die WLTP-Reichweite liegt fast _volle 100 km_ unter der des Zeekr 7GT. In den letzten 5 Jahren hat sich Kia gefühlt nur um die kleinen Modelle EV2, EV3, EV4 und EV5 gekümmert und hat den EV6 links liegen lassen. Die Erhöhung der Akku-Kapazität von 77,4 auf 84 kWh ist ein Witz und die 800V-Technik hätte man längst durch eine 900V-Technik ersetzen müssen. Schließlich war man vor 5 Jahren Vorreiter in Sachen Technik, beim EV6 ist man dann aber in den Schlafmodus gegangen...